Ich habe vor einiger Zeit eine Umfrage zu den (Netto-)Stundensätzen selbstständiger Webdesigner und -entwickler getwittert, deren Ergebnis trotz meiner etwas ungeschickten Einteilung der Antworten recht eindeutig ist:

Diese Umfrage ist natürlich alles andere als repräsentativ; es handelt sich bei den Teilnehmern nur meine Twitter-Follower plus die Follower all jener, die sich zu einem Retweet durchgerungen haben. Motiviert zu dieser Umfrage hatte mich in letzter Zeit das verstärkte Aufkommen von absurden Projektanfragen mit 100€-Budgets und ausbeuterischen Designcontests, die auf diversen Kanälen an mir vorbeiscrollten. Diese wurden zwar zumindest von meinen Twitter-Followern zumeist mit Heiterkeit rezipiert, aber andererseits zeigt die Umfrage, dass das wohl doch weniger absurd ist als man meinen möchte.
Klar ist: wenn wir mal von einem Vollzeit-Selbstständigen mit einem Mindestmaß an Fähigkeit ausgehen, geht der Unter-50€-Bereich eigentlich gar nicht. Warum der trotzdem so voll ist? Spontane Thesen:
- Der Unter-50-Bereich besteht samt und sonders nicht aus Vollzeit-Selbstständigen mit einem Mindestmaß an Fähigkeit, sondern aus Halbhobbyisten, Frontpage-„Webmastern“, Schülern und ähnlichem. Glaube ich persönlich nicht, weil ja die Teilnehmer der Umfrage zumindest genug professionelles Interesse an ihrer Tätigkeit haben gehabt haben müssen, um bei einschlägigen Blogs und Twitterern über diese Umfrage zu stolpern.
- Der Unter-50-Bereich hat einfach zu wenig Aufträge und muss daher mit seinem Preis runtergehen – Angebot und Nachfrage in der Krise und so. Allerdings sind die meisten Webworker die ich kenne bis zum Anschlag ausgebucht. Diese gehören zwar nicht zum Unter-50-Bereich, aber ganz so schlimm kann es dort nicht sein, wenn im Bereich darüber alle vollbeschäftigt sind.
- Der Unter-50-Bereich hat selbst keine Ahnung von branchenüblichen Normalpreisen.
- Der Unter-50-Bereich setzt sich aus all den bisher genannten Fällen zusammen.
Ich bin von meinen eigenen Thesen nicht so ganz überzeugt, aber mir fällt im Moment nicht besseres ein. Klar ist, dass die Existenz dieses übergroßen Billigsektors es für jene mit normalen Stundensätzen das Leben schwieriger macht – sieht man mal ganz davon ab, dass (wenn es sich dort um Vollzeit-Selbstständige mit einem Mindestmaß an Fähigkeit handelt) die dort stattfindende (Selbst-)Ausbeutung für die Betroffenen sicher kein Idealzustand ist.
Die Preisfragen bleiben: Wo kommt dieser Sektor her und wie wird man ihn los bzw. zieht ihn nach oben? Oder ist das überhaupt wünschenswert? Meine persönliche Theorie wäre ja, dass, wenn der Unter-50-Bereich verschwinden würde, wir alle weniger Projekte mit Aldi-Budgets am Hals hätten, eine Ausmerzung dieses Sektors also ein durchaus erstrebenswertes Ziel wäre.
Helmi ¶
23. August 2010, 13:17 Uhr
Stundensatz ist IMHO nicht mehr als ein Marketinginstrument und das widerum ist für mich ein Grund primär längerfristig mit Leuten zusammenzuarbeiten wenn ich weiss wie lange die für bestimmte Arbeiten brauchen respektive Verrechnen. Ich kenne 25€-Webdesigner die brauchen 10 Stunden für Jobs die ein anderer 70€-Mann in 3 macht. Im Endeffekt zählt für mich die Erfahrung in der Zusammenarbeit und die damit in Zusammenhang stehende Erfahrung. Jemand der 25€ verlangt kriegt nen Kunden evtl. schneller, verliert ihn aber vielleicht auch schneller wieder wenn der Kunde merkt, dass der gute Mann unterm Strich gar nicht billiger ist als sein bisheriger 50€-Sklave.
Natürlich sollte der Stundenlohn irgendwo im Rahmen liegen, wenn man jemand neuen Beauftragt, wie gut oder schlecht der Lohn aber unterm Strich ist und vor allem wie gut oder schlecht die Arbeit die man bekommt ist merkt man ohnehin frühestens nach dem ersten Job. Bis dahin bleibt einem nur das eigene Näschen für das Gespür ob man jemanden engagieren sollte oder nicht.
Ich hab schon manchen billigen Mann nicht engagiert, weil ich nicht das Gefühl hatte hinterher das zu bekommen was ich haben wollte.